Austrianer brauchen Liebe

Fussball. Torschüsse als Sünde, Kettenraucher als Spielmacher, Literaten als Hooligans: Die Wiener Austria feiert als österreichischster aller Fußballklubs ihren 90. Geburtstag.

Gerald John
Stadtleben, FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Es war ein ganz normales Frühjahrsspiel. Katastrophal und deprimierend. Die Wiener Austria trat vor einem Häufchen Unentwegter gegen den Provinzklub Ried an. Ein gewisser Perovic brachte die Austria in Führung, nachdem ihm der Ball nach einem Fehlpass wieder vor die Füße gekullert war. Fassungslos sahen die Zuschauer danach mit an, wie zuerst der Jugoslawe und dann die ganze Mannschaft einging. Als Muhammet Akagündüz, eines der vielen verschleuderten Austria-Talente, schließlich den Ausgleich für Ried erzielte, schoss Alfred Dorfer jene Frage durch den Kopf, die jeder Austria-Fan am besten verdrängen sollte: Warum? Warum zahle ich dafür Eintritt? Warum dürfen diese Spieler violette Dressen tragen? Warum habe ich nichts Besseres vor?

Die Sinnkrise hat Dorfer, Kabarettist und Austrianer, noch nicht überwunden. Aber er arbeitet hart an der Therapie. Erster Schritt: sich ordentlich Luft machen. Das zu tun hat Dorfer kommenden Freitag vor. Die Wiener Austria feiert an diesem Abend

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