Standpunkt: Frau Doktor putzt

Politik | aus FALTER 27/01 vom 04.07.2001

Am Freitag werden ÖVP und FPÖ das neue Ärztegesetz im Parlament beschließen. Über die Anzeigepflicht bei Kindesmissbrauch, der Ärzte damit künftig unterliegen werden, wurde heiß diskutiert. Ein anderes Detail des Gesetzes ging hingegen fast unter: Prinzipiell dürfen in Österreich nur Ärzte aus Österreich, dem EWR oder der Schweiz praktizieren. Für anerkannte Flüchtlinge gab es jedoch Ausnahmen. In der neuen Fassung des Ärztegesetzes fehlen nun alle diesbezüglichen Bestimmungen. Das kommt einem Berufsverbot für Mediziner, die Asyl in Österreich genießen, gleich. Die Phrase "Integration statt Neuzuzug" erweist sich damit wieder einmal als hohl. Denn was integriert Menschen besser als die Ausübung ihres erlernten Berufes?Fühlt sich ein kurdischer Zahnarzt hier aufgehoben, wenn er am Bau hackelt? Lernt eine iranische Augenärztin schnell Deutsch, wenn sie putzt? Ganz unbemerkt blieb die Gesetzesänderung freilich auch nicht: Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge kritisierte, dass die neue Regelung der Genfer Konvention widerspreche. Wenn das die Regierung schon nicht überzeugt, dann vielleicht ein wirtschaftliches Argument: Die Ausbildung dieser Ärzte hat ein anderes Land bezahlt. Wir müssen nur mehr den volkswirtschaftlichen Nutzen genießen. E.W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige