Tod im Gurtenbett

Justizskandal. Polizeifotos und Akten beweisen: Ein psychisch und körperlich schwer kranker Häftling wurde eine Nacht lang an Armen, Brust und Beinen in einer Einzelzelle an ein Bett gefesselt. Er starb einen qualvollen Tod. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 27/01 vom 04.07.2001

Der Vorfall wurde bis zur letzten Minute vertuscht. Steins Anstaltsleiter, Hofrat Johann Hadrbolec: "Mit Ihnen rede ich nicht." Der diensthabende Arzt Andreas Stippler: "Ich sag dazu gar nichts." Steins leitender Anstaltsarzt Helmut Schandl: "Kein Kommentar. Ich weiß, dass diese Sache an mir hängen bleibt."

"Diese Sache" ist der Tod eines psychisch kranken Häftlings, der in der Justizanstalt Krems-Stein eine ganze Nacht mit Gurten in Einzelhaft an sein Bett gefesselt wurde und in diesem Zustand "unglücklicherweise" an einem Darmverschluss gestorben ist. Drei Fotos der Kriminalpolizei Krems, die der Falter einsehen konnte, bestätigen den Skandal. Der Darmverschluss, so betont Gerichtsmediziner Wolfgang Denk, der die Leiche obduziert hatte, hätte zwar mit der Fesselung "nichts zu tun". Doch das Angurten, das in dieser Dauer vom Antifolterkomitee des Europarates als "menschenunwürdige Behandlung" strengstens verboten ist, beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft. Mögliches Delikt: Quälen


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