"Da müssen wir durch!"

Literatur. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde heuer zum 25. Mal vergeben. Eine auch schon wieder bemängelte Milde im Umgang mit den Autoren verband sich mit der alten Frage nach den Kriterien von Kritik.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/01 vom 04.07.2001

Hingegen scheint es mir geradezu unmoralisch, dass die Autoren sich zu einem vorgelesenen Text äußern dürfen", befand Marcel Reich-Ranicki 1977, im Gründungsjahr des vom österreichischen Publizisten Humbert Fink und dem Kärntner ORF-Intendanten Ernst Willner initiierten Ingeborg-Bachmann-Preises. Der Fairness halber muss freilich angemerkt werden, dass Reich-Ranicki den Autoren nicht das Wort in eigener Sache verbieten, sondern sie daran hindern wollte, sich durch die Kritik ihrer Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

In dem Vierteljahrhundert seit seiner Gründung hat sich der Charakter des Wettbewerbs mittlerweile einigermaßen verändert (das "Zurückreden" der Autoren etwa ist seit 1981 erlaubt, gilt allerdings als tendenziell uncool). Geht man von Hans Weigels Bonmot aus, demzufolge der Bachmann-Wettbewerb im ersten Jahr Experiment, im zweiten Jahr Tradition und im dritten Institution gewesen sei, könnte man eine Verknöcherung des Bewerbs befürchten. Schon 1991


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