Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 27/01 vom 04.07.2001

Ein Tisch in einem Cafe, zwei Pappbecher, ein Stapel ungeordneter Fotografien, im Hintergrund vorübereilende Passanten und Straßenverkehr: "Moscouw" beginnt mit der Inszenierung einer (möglichen) Gesprächssituation, wobei sowohl der Interviewer wie auch die Interviewte im off bleiben. Ersterer heißt Joerg Burger, ist Filmemacher in Wien und als Mitarbeiter von Wilhelm Gaube, Kameramann bei dem Dokumentarfilm "Zero Crossing" und Regisseur u.a. eines Porträts über den Schriftsteller Fritz Habeck ("Dear Fritz") bekannt geworden; sein Gegenüber ist die Fotokünstlerin und Aktionistin Michaela Moscouw, deren höchst eigenwillige Persönlichkeit und obsessives Schaffen im Mittelpunkt von Burgers neuem, 20-minütigem Film stehen.

Moscouws Fotos zeigen: Michaela Moscouw, gelegentlich in Großaufnahme, fast immer in grotesk überbordenden Inszenierungen; mal selbstbewusst im durchsichtigen Netzleiberl und mit Hodenschutz, wie ihn Hockeyspieler tragen, mal demütig kniend, mit Balakavamütze und Krückstock als Jeanne d'Arc posierend. "Ein Tag, an dem ich mich nicht in irgendeiner Form vor der Kamera bewege oder befinde", so die Fotografin über ihre Bilderwut, "ist ein Tag, der nicht festgehalten wird und umsonst ist." Sie arbeitet stets alleine, nur mit dem Selbstauslöser; seitdem es ihr in ihrer Einzimmerwohnung am Stadtrand zu eng geworden ist, auch bevorzugt an öffentlichen Plätzen - ständig in Gefahr, bei einer ihrer One-Woman-Sessions "ertappt" zu werden.

Burger zeigt ihre Bilder, filmt in ihrer Wohnung, begleitet sie auf ihren langen Wegen durch die Wiener Vorstadt. Eines jedoch ist in "Moscouw" - ähnlich wie in Maximilian Schells berühmtem Porträt über Marlene Dietrich - nie vor der Kamera zu sehen: die Künstlerin selbst, die von sich keine anderen Aufnahmen als ihre eigenen gelten lässt.

Wien-Premiere im Filmcasino, 9.7., 22 Uhr.


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