Zeitgeist und Provinz

Architektur. Diese Ausstellung ist eine Sensation: "Mythos Großstadt" zeigt die unterschiedlichen Wege von zehn zentraleuropäischen Städten in die Zukunft nach dem Zerfall der österreichischen Monarchie.

Kultur | Jan Tabor | aus FALTER 27/01 vom 04.07.2001

Der Zeitgeist erreicht die Provinz manchmal früher als die Metropole. Die leger-elegant gewandeten Herren, die im Juli 1933 in Marseille an Bord des Luxusdampfers Patris II gingen, waren - man erkannte es an den schwarzen, dicken, runden Fassungen ihrer Brillen - die Creme de la Creme der europäischen Architekturavantgarde. Mit Le Corbusier als Anführer. Sie reisten nach Athen und zurück. Diese Reise war der dritte Kongress des CIAM, einer internationalen Vereinigung moderner Architekten.

Als die Herren Ende August in Marseille wieder an Land gingen, wussten sie, wie die urbanistischen Probleme gelöst werden könnten: durch die "funktionelle Stadt". Mit beeindruckendem Arbeitsaufwand legten sie, ausgehend von der Analyse aktueller Städte, auf hoher See die Grundzüge einer verbindlichen idealen Stadt der Zukunft fest. Später, 1942, als die Bomber des Zweiten Weltkriegs bereits dabei waren, etliche Städte in Trümmerhaufen zu verwandeln, veröffentlichte Le Corbusier das Resümee


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