Standpunkt: Der Choleriker

Politik | aus FALTER 28/01 vom 11.07.2001

Der Justizminister ist ein cholerischer Mann. Manchmal ist es fast schon lustig, Dieter Böhmdorfer zuzusehen, wie er auf Kritik reagiert. Seine "Feinde", vor allem"linke Journalisten", sind immer "unsachlich", begehen "Meinungsjournalismus" oder erheben "haltlose Vorwürfe".Böhmdorfer war als Anwalt stets darauf konditioniert, Medien zu verklagen. Dementsprechend sieht sein Weltbild aus. Als Chef einer Anwaltskanzlei mag Böhmdorfer damit Erfolg gehabt haben (obwohl ihm auch dort viele Kollegen verbittert den Rücken zugewandt hatten). Als Justizminister sollte Haiders Advokat ein bisschen sensibler sein. Wochenlang hat der Falter die Zustände in Österreichs Haftanstalten beschrieben. Böhmdorfers Reaktion: Anzeige beim Presserat wegen "haltloser Vorwürfe". Kein Funken Reformbereitschaft. Im Parlament warf er der Grünen Terezija Stoisits "Unsachlichkeit" vor, weil sie es gewagt hatte, die Todesfälle zu erwähnen. Sie solle nicht jenen Zeitungsberichten vertrauen, "die die Sache hochschaukeln". Gerade in der Causa rund um Stein hätte sich Böhmdorfer als Mann des Rechtsstaates erweisen, Reformen einleiten und auf die Schlampereien seiner Vorgänger verweisen können. Stattdessen geht er auf Medien als Boten der schlechten Nachrichten los.Er macht es uns leicht. Leider. F. K.


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