Möchtegern-City/Häme, Spott & Neid: Ich, Gasometto

Eva Weissenberger | Stadtleben | aus FALTER 28/01 vom 11.07.2001

Meine Bekannten sind peinlich berührt. Die Kollegen befremdet. "Was willst du da draußen bei den Proleten im Multiplex?", fragen die einen mit aufgerissenen Augen: "Wieso ziehst du nicht in den Vierten?" Die anderen zucken mit den Nasenflügeln: "Wahrscheinlich sind wir gar nicht schick genug, um dich in deinem Yuppie-Silo besuchen zu dürfen."

Wer in die Gasometer zieht, muss mit Häme leben: "Wie nennt ihr Mieter euch eigentlich: Gasometti?"

Auch die Architekturkritiker sind entsetzt: "Die miesesten Wohnungen sind im Coop-Himmelb(l)au-Teil", schrieb Liesbeth Waechter-Böhm im Spectrum. Danke, das ist meiner. Ich habe bereits den Schlüssel. Ab August lebe ich in dem Schild vor dem Gasometer B. Die dreieckige Wohnung - okay, so was muss man mögen - hat an zwei Seiten durchgehende Fenster. Sie ist also äußerst hell, entgegen dem Gerücht, dass alle Wohnungen in den Gasometern dunkle Designer-Höhlen sind. Ich schaue auf Simmering runter und bei guter Sicht bis zum Kahlenberg. Vor Depressionen

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