Phettbergs Predigtdienst: Der Vizekanzlerin in die Hände fallen!

... Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören und auf seine Gebote und Gesetze ... Dieses Gebot ... geht nicht über deine Kraft ... [es]ist ganz nahe bei dir, es ist in deinem Mund ... Deut. 30,10-14 (1. Lesung am 15. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Stadtleben | aus FALTER 28/01 vom 11.07.2001

Die Hauptschwierigkeit ist mir, mich nicht benehmen zu können. Den Bruchteil der Sekunde, bevor die Selbstzensur greift, sage ich das Ungeheuerliche. Und nachher habe ich pro Bruchteil drei Wochen Trauerarbeit zu leisten.

Die Gesunden lassen die ersten Sekundenbruchteile trickreich verstreichen, sind in der Folge vernünftig.

Einmal stand ich im Hochsommer um 19 Uhr mitten in Köln und ich dachte unter der brütenden Hitze an Wien. Bestürzt entdeckte ich auch in Wien keinen Ort und keine Person, wo ich nicht verwüsten müsste. Seither bin ich endgültig einsam. Betrachten wir die Kirche doch einmal aus exzentrischer Sicht: Der Zölibat als Schutz vor der Verpflichtung zur Verwüstung. Sie haben erkannt, dass sie verwüsten müssten, und entschieden in den Konzilien, unverheiratet zu bleiben.

Ich drehe den Fernseher auf, und die Vizekanzlerin hält eine aufpeitschende Rede vor einer tosenden Masse. Sie halten Heerschau und rüsten zum Kampf. Sie haben genau mich im Visier. Ich habe so viel Steuer nicht bezahlt. Alles verfressen, nichts ist mehr da. Sie werden mich hetzen! News wird schreiben, er hat alles verfressen, als Vermächtnis und Nachruf. Aber er hat es aus Angst getan, wird Chris Lohner erklären, doch das interessiert dann nicht mehr, denn das Heft ist schon gedruckt, das Volk schon informiert. Ich werde im Grab liegen, und meine unerledigte Trauerarbeit neben mir.

Eine Bitte hätte ich, Herr, sollte mich jemand erschießen, worum ich herzinnig flehe, lasse mir so viel Atem, damit ich ein kräftiges, gut hörbares Danke ihm nachhauchen kann, das innig und nicht zynisch klingt, denn er wird wegrennen, damit er sich nicht belastet. Die Freiheitlichen kommen, und ich bin allein, Herr und Frau Klestil auf Staatsbesuch, Dr. Ditz hat alles verkauft, und ob der Sohn Dichands stark genug sein wird? Oder das Erbe verspielen?

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige