Streifenweise

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 29/01 vom 18.07.2001

Verwirrung der Gefühle I + II: Das Wiener Filmcasino zeigt in einer Vorpremiere zwei Filme junger Regisseurinnen. Beide erzählen vom Erwachsenwerden, von jener Testphase der Gefühle, in der alles neu und sowieso nichts einfach ist.

Marie Kreutzers 19-minütiger "Cappy Leit" beschreibt in subtilen Alltagsepisoden die Lebenswelt der 14-jährigen Theres (Pauline Reiner), die weitläufige Altbauwohnung voller Kindheitserinnerungen, den hyperliberalen, allein erziehenden Vater und die Marlboro rauchenden Freundinnen in der Schule. Die eigentliche "Story",die der Film erzählt, handelt von den Gesten und Blicken seiner Protagonistin, die langsam durchscheinen lassen, dass Theres verliebt ist: in ihren älteren Bruder Jakob. Valeska Grisebachs Spielfilmdebüt "Mein Stern" wirkt in Szenenaufbau und Kameraführung rauer als "Cappy Leit". Momentweise hat die in einer Berliner Vorortsiedlung gedrehte Liebesgeschichte fast dokumentarische Qualität. Grisebach macht sich die Kamera-Befangenheit ihrer jungen Laiendarsteller zu Nutze und legt sie als Scheu vor den neuen Gefühlen aus. Verlegenheitsgesten, Schweigepausen, die hängenden Schultern unter dem Sweatshirt: man merkt, dass hier keiner zum "Schauspielen" angetrieben wurde - und das ist gut so.

Die Regisseurin lässt ihren Hauptdarstellern Schöps und Nicole, die im wirklichen Leben genauso heißen wie im Film, Raum zum Improvisieren. Die Dialoge irgendwo zwischen imitierter Erwachsenenliebe ("Ich will dich nie verlieren") und dem eigenen, nicht benennbaren Gefühl ("Mit dir ist das irgendwie anders") wirken weder geschrieben noch vorgetragen. Alles ist halt irgendwie-ich-weiß-auch-nicht. Aber das ganz intensiv.

Am 23.7., 20 Uhr, im Filmcasino. Empfehlung!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige