Stadtrand: Der Tod in der Vorstadt

Stadtleben | aus FALTER 29/01 vom 18.07.2001

Ein blindes Fenster nach dem anderen. Dreckige Plakate hängen in Fetzen von den leeren Schaufenstern. Manche wehren sich noch mit "Plakatieren verboten" gegen das Unvermeidliche: gegen den Tod. Auf der Hernalser Hauptstraße sieht man genau, wie es aussieht, wenn die kleinen Geschäfte der Vorstadt sterben.

Ein allgemeines Vorstadt-Phänomen. Aber gerade hier, am Hernalser Spitz zwischen Jörgerstraße und Hernalser Hauptstraße, wollten die Marketingexperten der Wiener Wirtschaftskammer vormachen, wie man das Siechtum in den Griff bekommt. Fotorealistische Bilder von "Visionären Geschäftstypen" - vom spleenigen Katzenmassagesalon bis zum eleganten Schuhgeschäft - wurden über die leer stehenden Schaufenster montiert. Mit den Kulissen wollte man Mietern die Gegend schmackhaft machen und das Image Richtung "Wohlfühlmeile" für die Über-Fünfzig-Jährigen verbessern.

Die bunten Kulissen sind mittlerweile verschwunden. Zurück bleibt wenig neues Leben und noch mehr tote Geschäfte. "Nicht alle Geschäftsstraßen werden zu halten sein", hat Wirtschaftskammer-Präsident Walter Nettig schon öfter zugeben müssen. Nur wollte er nie genau sagen, welche Gegenden er meint. Den Kaufleuten am Spitz hat die noble Zurückhaltung nicht geholfen. J.O.


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