Das "erste Opfer"

Seinesgleichen geschieht. Genua, die Protestbewegung und der Sinn von Militanz. Noch ein Beitrag zur Erinnerungskultur.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Die Zeiten werden härter. Die Berliner Loveparade, das beliebteste Festival so genannter Hedonisten und Drogisten hatte heuer nur mehr 800.000 Besucher (im Vorjahr waren es 1,5 Millionen gewesen); die Besucherzahlen der Anti-Globalisierungs-Demonstrantionen hingegen steigen. Ach, sagten sie in der Redaktion, schreib doch was über Genua und über Gewalt! Und es entbrannte eine erregte Diskussion über Widerstandsrechte und über die Frage, ob die besinnungslosen Militanten die Anliegen der Protestierenden diskreditieren oder nicht, ob der schwarze Block Proteste weiterbringt oder lähmt.

Schon fallen die Vergleiche - wir sind ja historisch gebildet - mit der Revolte der 68er. Und mit dem "ersten Opfer": Wie das schon klingt! Damals handelte es sich um den Studenten Benno Ohnesorg, kaltblütig und keineswegs in Notwehr erschossen von einem Polizeiwachtmeister bei einer Demonstration am 2. Juni 1967 in Berlin. Ohnesorg wurde keine Identifikationsfigur, selbst das Attentat auf den charismatischen


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