Standpunkt: Nicht hinfahren!

Politik | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Die Situation beim Gipfeltreffender führenden Industriestaaten der Welt (G8) in Genua ist eskaliert. Polizisten wüteten in einem Medienzentrum, ein Ordnungshüter erschoss einen Demonstranten. Demonstranten attackierten Polizisten mit Pflastersteinen, Eisenstangen und Molotow-Cocktails und verwüsteten ganze Straßenzüge. Die friedlichen Globalisierungskritiker - sie sind in der Mehrheit - sollten aus den Vorfällen eine Lehreziehen: Sollten die G8 in der nächsten Zeit überhaupt einen vergleichbaren Gipfel veranstalten (was nicht zu hoffen ist), am besten nicht hinfahren. Dabei geht es für die NGOs nicht darum, vor irgendeiner Macht zu kapitulieren, sondern die Randalierer als das zu isolieren, was sie sind: brutale Schläger, denen jedes Feindbild recht ist, solange es ein bisschen nach Kapitalismus riecht. Der Verlust der medialen Bühne beim Gipfeltreffen lässt sich für die friedfertigen Aktivisten verschmerzen, zumal er sich mit Kreativität wettmachen lässt und die Gewaltexzesse bei den Großveranstaltungen ohnehin alles überschatten. Die wohlüberlegten Argumente der Globalisierungskritiker nimmt in dem ganzen Aufruhr kein Mensch wahr - im Gegenteil: durch die Ausschreitungen des so genannten schwarzen Blocks läuft eine legitime Bewegung Gefahr, diskreditiert zu werden. G. J.


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