Das Ende der Unschuld

Gipfel in Genua. Am Freitag erschoss ein 20-jähriger italienischer Polizist den 23-jährigen Demonstranten Carlo Giuliani bei den Krawallen gegen das G8-Treffen. Duldet die Globalisierung keinen Widerspruch? Oder driften die Demonstranten in die Gewalt ab? Wann ist Schluss?

Politik | Gerald John und Eva Weissenberger | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Zwei Schüsse. Eine Kugel zerfetzt die linke Wange unter der dunkelblauen Sturmhaube. Der Kopf schlägt auf der Straße auf. Carlo Giuliani ist tot. Der Jeep der Carabinieri reversiert und fährt über den Leichnahm drüber. Und dann gleich noch einmal.

Carlo Giuliani war 23 Jahre alt. Hunderte Male hat er diese Straße in Genua schon überquert. Sie führt zur Piazza della Erbe, wo sich der Student der Geschichte immer mit seinen Freunden traf. Dort schimpften sie auf die Politiker, diskutierten über Wirtschaft, planten Demos.

Die letzte hat er nicht überlebt. Am Freitag protestierten 200.000 Menschen in der ligurischen Hauptstadt für eine Kontrolle der internationalen Finanzmärkte, für eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes und dafür, dass den Ländern der Dritten Welt die Schulden erlassen werden. Gegen Kapitalismus, Imperialismus, Rassismus. Gegen die Regierungschefs der acht mächtigsten Industrieländer der Welt, die zur selben Zeit im Palazzo Ducale über Umweltschutz, Armut,


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