Kommentar: Salzburger Festspiele: Moraks Fehlanzeige


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Auch die Salzburger Festspiele sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Etwas fehlt. Sogar beim alljährlich über den Domplatz gezerrten Barock-Remake Hugo von Hofmannsthals kommt vor dem christlichen Katzenjammer ein bisschen Sinnenrausch. Die Eröffnung der heurigen "salzenburger fetzenspiele" (Ernst Jandl) aber krachte schwer kontemplativ auf die Zuhörerschaft nieder. Alle, die da sein sollten, waren da, und doch monierte Kulturstaatssekretär Franz Morak mit den Worten des Holzfällers Paul Ackermann aus Brechts "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny": "Aber etwas fehlt."

Was Paul Ackermann schließlich fehlen wird, ist Geld, und weil (auch) in Mahagonny "Mangel an Geld (...) das größte Verbrechen ist", wird er hingerichtet. Durch Mahagonny aber werden Tafeln getragen, auf denen steht: "Für die Freiheit der reichen Leute" oder "Für die ungerechte Verteilung der irdischen Güter". Nichts davon in Moraks Rede. Es wäre auch zu viel verlangt, wollte man an dem Wochenende, an dem

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