Signatur des Wahnsinns/"Die Vertreibung aus der Hölle": Erinnerungen an die Gegenwart

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Führende Philosophen empfehlen neuerdings das Vergessen. Und was machen die Schriftsteller? Scheren sich einen Dreck drum und erinnern, was das Zeug hält. Robert Menasses knapp 500 Seiten umfassender Roman "Die Vertreibung aus der Hölle" steht da in einer auffälligen Kontinuität zur jüngsten österreichischen Literatur. Von allen Romanen, die in den letzten drei Jahren das Thema Shoah aufgegriffen haben, geht Menasse am weitesten zurück: bis ins Zeitalter der Inquisition, in dem Samuel Manasseh am 5. Dezember 1604 das Licht der Welt im Lichte der Scheiterhaufen erblickt. Auch die Geburtsumstände des 351 Jahre später auf die Welt gekommenen Viktor Abravanel sind um nichts weniger bedeutungsvoll: Seine Mutter bricht am 15. Mai 1955 bei der Staatsvertragszeremonie im Belvedere zusammen; der vermeintliche Arzt, der ihn mit dem Taschenmesser abnabelt, entpuppt sich als Fleischhauer.

Der Hang zum Skurrilen schießt auch dort übers Ziel hinaus, wo Viktor und dessen Jugendliebe Hildegund


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