Streifenweise

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Money isn't real", lautet der Schlüsselsatz von "Blow" (Regie: Ted Demme), der in Komödienform erzählten Rise-and-Fall-Geschichte eines Koksdealers (Johnny Depp). Auf Plot-Ebene braucht der Held Jahrzehnte, um einzusehen, dass die Warnung seines hart arbeitenden Vaters, Reichtum sei nichts als Illusion, berechtigt war; und dass auch der reinste Koks die Nasenschleimhäute und zu viel Geld die Liebe zerstört. Wir Zuschauer merken etwas schneller: Ein Big Budget trägt nicht unbedingt dazu bei, aus einer wahren Geschichte ("Blow" basiert auf der gleichnamigen Autobiografie von Bruce Porter) einen überzeugenden Film zu machen. Überbezahlt waren offensichtlich die Maskenbildner, die sich für Depp und seine weiblichen Co-Stars Franka Potente (als California-Chick "Barbie") und Penelope Cruz (als große Liebe) immer neue, unfreiwillig komische Perücken und Make-Up-Tricks ausgedacht haben. Ziel des Unterfangens: Samt künstlicher Wampe und Hängebacken muss Depp am Ende des Films aussehen wie das Foto seines Real-Life-Vorbildes, das als Beweisstück eingeblendet wird. Geld macht nichts echter! Finger weg von Drogen und doofen Perücken!

Auch Rückblenden sind nicht unbedingt real, wie Stephen Hopkins kriminalistisches Kammerspiel "Under Suspicion", ein Remake von Claude Millers großartigem Psychothriller "Das Verhör" (1980), beweist. Das Produzenten-/ Hauptdarstellerduo Morgan Freeman / Gene Hackman verbal-duelliert sich als Cop und Mordverdächtiger vor dem exotischen Hintergrund des puertoricanischen Karnevals. Hatder reiche Steueranwalt tatsächlich zwei junge Mädchen vergewaltigt und erwürgt? Immer wieder wird der Tatablauf in Wort und Bild wiederholt. Trotz hervorragender Schauspielleistung ermüden die endlosen Dialogpassagen. Und die Auflösung nach 110 Minuten ist zwar unerwartet, aber ebenso unbefriedigend.


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