Stadtrand: Die Kaffee-Coolios

Stadtleben | aus FALTER 30/01 vom 25.07.2001

Bis vor kurzem hat sich die Alser Straße früh am Morgen von der Südost-Tangente nur dadurch unterschieden, dass auf der Tangente keine Straßenbahn fährt. Ansonsten war alles gleich: Zu viele Autos, die meistens standen und selten rollten und zwischendurch Baustellen. Jetzt ist alles anders: Schon früh am Morgen tummeln sich junge Menschen auf der Grenzstraße zwischen Josefstadt und Alsergrund, Menschen, die die ganzen Jahre zuvor nicht zu sehen waren. Zumindest nicht um diese Uhrzeit. Jetzt, wo auch wir Alser-Straßen-Bewohner unseren "Coffee to go" haben, belegen die Wiener nicht nur zur Christkindlmarkt-Zeit alle Parkplätze, sondern kommen sogar tagsüber zu uns. Amerikanische Kaffeehaus-Plagiate sind voll im Trend. Bei koscheren Muffins, Vollkorn-Bagles mit "Salmon-Cream"-Belag und Caffe Latte im hübschen Plastikbecher können die kleineren Kaffeesieder mit ihrem Buttersemmerl und der Marmelade baden gehen. Und noch einen Vorteil haben die neuen Dinger: Es gibt kein Kommunikationsproblem, weil man ohnehin nicht miteinander reden muss. Lieber wird mit Kaffee und Bagle in der Hand aus dem Fenster geschaut. Warum es so viele Leute toll finden, beim Frühstück auf die nicht gerade spannende Fassade des Alten AKHs zu starren, weiß ich zwar nicht, aber es macht ihnen sichtlich Spaß. N. H.


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