STANDPUNKT: Adi sells

Politik | aus FALTER 31/01 vom 01.08.2001

Und noch einmal - Hitlerrr! Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen knallte Format den braunen Führer aufs Cover. Darunter prangt ein Zitat des Schlussstrich-Forderers Rudolf Burger. "Hitler ist zu einem Pornostar geworden", quengelt da der Philosoph in fetten Lettern. Gut erkannt. Und journalistisch astrein aufbereitet, dass da immer dieselben immer noch "Aufarbeitung!" rufen. Deshalb darf Hitler, der Pornostar, einmal mehr als Coverstar reüssieren. Adi sells. Einige Nummern davor blickte der Obernazi finster herab, weil man im Blattinnern "unsere Rolle im Dritten Reich" erklärte. Das Heft bot dieselbe Schizophrenie wie die aktuelle Ausgabe. Damals ging man mit den deutschen, profitbewussten Kollegen ins Gericht: "Das Spiegel-Cover ("Hitlers langer Schatten", Anm.) war ein Renner, die Ausgabe eine der bestverkauften des Jahres", rümpften die Format-Schreiber ihre Nasen, "ein kalkulierter Erfolg." Rudolf Burger hätte übrigens seine Pornostar-These auch in der Europäischen Rundschau ausbreiten können, wo er sein "Plädoyer für das Vergessen" erstmals angestimmt hatte, wie Chefredakteur Paul Lendvai im Format erklärte. Doch Burger entschied sich für das fetzige, wesentlich auflagenstärkere Montagsmagazin. Wahrscheinlich, damit man Adolf Hitler etwas schneller vergisst. N. W.


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