STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 31/01 vom 01.08.2001

Gemeinschaft ist Glück, lautet die wohlmeinende Botschaft zweier Kino-Neustarts, der Romantic Comedy "Sweet November" und der Sozialsatire "Kubanisch Reisen". "Sweet November" folgt dem mit viel Kalkül und ohne besondere Eigenschaften aufgekochten Zweckgemeinschaft-wird-zu-Liebe-Konzept à la "Green Card". In dieser Variante mimt Keanu Reeves einen Yuppie ("Time is money") und Charlize Theron ein natürlich-impulsives Weibchen ("Lass es einfach mit dir geschehen!"). Letztere ist bestrebt, aus einem Workaholic einen einfühlsamen Menschen zu machen und bietet ihm für einen Monat (eben jenen November) Bett und Betreuung an. Handy und Armbanduhr werden demonstrativ im Spülwasser entsorgt, der teure Anzug gegen einen kuscheligen Kapuzenpulli ausgetauscht, und bald ist der aus dem Karriererausch Erwachte mächtig verliebt in seine Mentorin. Die wiederum muss dem filmischen Klischee der Nonkonformität mit bunten Häkelstolas, Versuchstier-Befreiungsaktionen und einem Appartement in San Franciscos Hippieviertel gerecht werden. Eine Konfektionsschnulze mit zwei aseptischen Helden.

  "Kubanisch Reisen" (Regie: Juan Carlos Tabío) heißt im Original "Lista de espera", also "Warteliste", was insofern besser passt, als gerade die Fortbewegung in dieser Parabel auf den politischen Stillstand des Landes Kuba nicht möglich ist. Stattdessen verbringen Reisewillige mehrere Tage in einer Busstation. Anfangs streiten sich Einzelne um Wartenummern, später solidarisiert sich die Gruppe gegen die Busgesellschaft, tauscht Familienfotos und wächst bald selbst zur Familie zusammen. Doch auch in der sind die Rollen klar verteilt: Die Frauen putzen die Wartehalle, die Männer machen den Busmotor wieder flott. Zu fröhlicher Kaufhausfolklore lernen wir schließlich: "Die gemeinsamen Stunden sind ein ganzes Leben wert." Da hilft auch die perspektivische Brechung am Schluss nichts mehr: Verdacht auf sozialromantischen Kitsch.


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