AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 31/01 vom 01.08.2001

Es soll ja Zeiten gegeben haben, da artikulierten junge Leute ihre Begeisterung über einen Gedichtband, indem sie sich von der Brücke stürzten. Ödnis, Kummer und Weltschmerz, oje! Wäre Fun nicht das Motto dieser Tage, besorgte Soziologen müssten die Eltern mit Warnungen vor Michel Houellebecq und dessen Gedichtband "Der Sinn des Kampfes" aufrütteln. "Jetzt ist mir alles egal", so lautet die Essenz seiner der Schönheit der Depression gewidmeten Lyrik, die dem Alltag gar keinen Reiz abgewinnen will: "Die Tage des Lebens sind wie / Abgestandene Limonade". Besorgte Soziologen müssten eine Interessengemeinschaft gründen. Zum Schutz der Jungleser. Und um des Dichters willen, denn die Regressforderungen trauernder Eltern könnten Houellebecq - "Blutbad / Komm zu mir her" - finanziell ruinieren. Trotz immenser Einnahmen aufgrund depressiver Romanbestseller.

  Pablo Neruda reagierte einst auf postpubertäre Leser, die seinen "Aufenthalt auf Erden" mit Suizidausbrüchen beantwortet hatten,


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