Stadtrand: Und stinkt und stinkt ...

Stadtleben | aus FALTER 31/01 vom 01.08.2001

Der Dichter hat jene gruseligen Bäumchen nie und nimmer kennen können. Und dennoch hat der Dichter Schiller Letztgültiges zum Duftbaum formuliert: Und stinkt und stinkt und stinkt.

Oh Duftbaum! Oh Duftbaum! Wie giftgrün, wie pissgelb, wie morbid rot sind deine Blätter. Du blühst nicht nur zur Winterszeit, nein, vor allem und auch im Sommer, wenn es gar nicht schneit.

Dreierlei kommt jetzt zusammen, eine explosive Mischung: Da ist der mit Goldgehänge ausstaffierte linke Arm, der zum Autofenster hinaushängt. Dann ist es zum Erbarmen heiß. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, baumelt auch noch ein Duftbaum am Rückspiegel. Und der stinkt und stinkt und stinkt.

Und dann (der Geruchssinn lässt sich halt nicht abstellen) ist man direkt gezwungen zu schauen, peinigend genau zu schauen: Inmitten der Duftnote Meeresbrise sitzt meist einer, der nach Unwetter ausschaut, der Lavendeltyp schaut so aus, als ob er nach schwefeliger Hölle riecht, der mit dem Rosenwasserduft ist mit sämtlichen trüben Wässerchen gewaschen worden, der Hochwaldduftige gleicht dem traurigen Waldsterben.

Oh Duftbaum! Du stinkst so schön zur Sommerszeit, du zeigst uns nicht nur erschreckende Gestalten, wenn es schneit. Wo. P.


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