PHETTBERGS PREDIGTDIENST: Sommermeditation

Stadtleben | aus FALTER 31/01 vom 01.08.2001

... Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch ...

Koh 1,2; 2,21-23 (1. Lesung am 18. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Da war ein Bahö in mir, als die Redaktion der Wochenendbeilage der Presse anrief, ich soll ihnen schreiben, was ich lese und ob andere was lesen sollen, und wenn ja, was. Nun lese ich ja nichts. Gehe in keine Museen, Konzerte, ertrage keine Minute Musik. Nur Ödnis, Sucht und Warten bevölkern meine Hölle. Zappen im Fernsehen. Seit drei Monaten flimmert ein leichtes Schneegestöber über den Bildschirm. Es reichen weder Mittel noch Kraft, dies zu ändern. Alle Energie fließt mir in meine Sucht. Das erfüllt ein Sein bis zur Neige.

  Auf das Abstruseste lagert sich über diese meine 99 Prozent das allwöchentliche Lesen der Rubriken des Messformulars für den übernächsten Sonntag, um ihn hierblatts predigtzubedienen. Neundreiviertel Jahre Phettberg: Er erstickt an sich und liest dazu das Messbuch. Mehr geschieht nicht

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