STANDPUNKT

Politik | aus FALTER 32/01 vom 08.08.2001

Stadler ermittelt

Ewald Stadler ist "Volksanwalt". Der Ex-FPÖ-Klubobmann sollte die Verwaltung kontrollieren. Stadler ist für Justiz und Polizei zuständig. Als der Falter die skandalösen Zustände in Stein aufdeckte (fünf Tote in drei Wochen, Verdacht einer menschenunwürdigen "Saunazelle", ein suspendierter Anstaltsarzt), kündigte Stadler eine umfassende Untersuchung der Vorfälle an. Nun hätte er Dutzende vertrauliche Interviews mit Häftlingen führen können (sogar in der Türkei hatte eine Abgeordnete unlängst 8500 Häftlinge befragt und dann einen detaillierten, vernichtenden Bericht erstellt). Er hätte eine Kommission, bestehend aus Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen zusammenstellen können. Doch was hat Stadler getan? Er kündigte seinen Stein-Besuch drei Tage vorher an ("Ich habe aber verlangt, dass das Essen so wie immer zubereitet wird!") und verbrachte genau einen Tag in der Anstalt. Im Gefängnis sprach er nur mit dem Gefängnispersonal. Immerhin: "Beim Essen" hätte er auch mit Häftlingen gesprochen. Das Ergebnnis des Berichtes ist sehr überraschend: "Die Anstalt hat sich nichts zuschulden kommen lassen." Die Todesfälle seien "nicht vorhersehbar" gewesen. Vorwürfe unmenschlicher Behandlung? "Unsinn!" Nun wird Stadler den Bericht dem Justizminister überreichen. Der war bis vor kurzem derRechtsanwalt des Volksanwalts. F. K.


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