STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 32/01 vom 08.08.2001

Manch ein Viecherl nennt ihn "Dr. Love". Das kommt daher, dass Dr. Dolittle - der Mann, der mit den Tieren spricht - Hilfe leistet, wenn die Triebe schlapp machen und die Artenvielfalt zu verschwinden droht. Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt: In "Dr. Dolittle 2" (Regie: Steve Carr) betätigt sich der erneut von Eddie Murphy verkörperte Tierarzt vorzugsweise als Kuppler und Sexualtherapeut: Eine seltene Bärenart droht auszusterben - falls es nicht gelingt, das letzte frei lebende Weibchen zur Paarung zu bewegen. Blöderweise ist ihr männliches Gegenstück dem Leben im Walde längst entfremdet: Archie, ein Zirkusbär, muss erst mühsam lernen, was ein echter Mann ist. Der Rest der Geschichte läuft nach Schema F, ergänzt um ein bisserl rammelnde Tiere (die in der Synchronfassung zudem noch urlustig bayrisch reden) und harmlos-anale Scherze Marke "Bär hat den Kühlschrank leer gefressen und muss schrecklich furzen". Und wir überlegen die ganze Zeit, was es bedeutet, dass Eddie Murphy, immerhin eine Ikone des schwarzen Mainstreams der Achtzigerjahre, zu Beginn des 21. Jahrhunderts hauptsächlich Tierrollen sprechen (wie in den Animationsfilmen "Shrek" und "Mulan") oder neben digital animierten Viechern den Trottel spielen darf. Vermutlich nichts Gutes.

  Gut hingegen ist die Programmierung des Filmcasino-Sommerkinos am Do, 9. August: Auf Christian Petzolds gescheiten Film "Die innere Sicherheit" (2000) folgt Rainer Werner Fassbinders "Die Dritte Generation" (1979), eine nicht im mindesten romantisierende Auseinandersetzung mit der späten RAF. Zwei Filme, die im Abstand zweier Jahrzehnte den gewalttätigen antikapitalistischen Kampf in der BRD thematisieren; auf einem Niveau, wie man es sich gerade jetzt nur wünschen kann.

MICHAEL LOEBENSTEIN


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