JELINEK ÜBER SCHLEEF

Kultur | aus FALTER 32/01 vom 08.08.2001

"Ein Drillbohrer im eigenen Fleisch"

Die Wiener Schriftstellerin Elfriede Jelinek, 54, war mitverantwortlich für den wahrscheinlich größten Erfolg in Einar Schleefs Theaterkarriere: Die Uraufführung ihres "Sportstücks" 1998 am Burgtheater, für die Jelinek sich Schleef als Regisseur gewünscht hatte, geriet zum Ereignis, bei dem alle Grenzen des Theaters bis zum Äußersten ausgereizt wurden. Kurz bevor Schleefs Tod bekannt wurde, hatte Jelinek an einem neuen Stück zu schreiben begonnen, das Schleef an der Burg inszenieren wollte.

Falter: Seit einem Unfall in der Kindheit litt Schleef unter einer schweren Sprechstörung. Glauben Sie, dass er Sprache dadurch anders wahrgenommen hat? Ist es das, was ihn so einmalig gemacht hat?

Elfriede Jelinek: Ich glaube, dass er sich die Sprache immer wieder förmlich herausreißen musste. Es war ein rein körperlicher Vorgang, die Sprache hat sich in ihm sozusagen materialisieren müssen, erst dann hat er sie sich als Gegenstand herauswürgen können.


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