NIEMANN VS. NIEMANN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 32/01 vom 08.08.2001

"Habe mich nie Niemann genannt"

Lange Zeit sah es so aus, als hätte der Schriftsteller Norbert Niemann, dessen neuer Roman "Schule der Gewalt" soeben erschienen ist (Rezension siehe oben), einen Doppelgänger. Schon bevor Niemann 1997 den Bachmann-Preis gewann und bekannt wurde, waren in den politisch weit rechts positionierten Wochenblättern Junge Freiheit (Deutschland) und Zur Zeit (Österreich) regelmäßig mit "Norbert Niemann" gezeichnete Artikel erschienen, die sicher nicht aus der Feder des bayrischen Prosaautors stammten. Tatsächlich handelte es sich bei "Norbert Niemann", wie Szenekenner Jürgen Hatzenbichler im Falter (10/00) verriet, um ein "lang gedientes Pseudonym" von Andreas Mölzer, Chefredakteur von Zur Zeit und Jörg Haiders kulturpolitischer Berater.

  Weil der "echte" Niemann nicht mit dem falschen verwechselt werden will, klagte er - vertreten von der Wiener Anwaltskanzlei Charim, Steiner & Hofstetter - Mölzer im Juni 2000 auf Unterlassung. Nachdem der Beklagte darauf nicht reagiert hatte, erließ das Handelsgericht Wien vor einigen Wochen ein mittlerweile rechtskräftiges "Versäumungsurteil", das Mölzer untersagt, "im geschäftlichen Verkehr zur Kennzeichnung journalistischer Veröffentlichungen den Namen Norbert Niemann zu verwenden". Die Verfahrenskosten hat Mölzer bereits beglichen.

  Norbert Niemann ist über das Urteil "natürlich sehr erleichtert", "Norbert Niemann" wiederum gibt sich gelassen. "Ich habe mich nie Norbert Niemann genannt", behauptet Andreas Mölzer. Wer sich dann hinter dem Pseudonym verberge? "Das ist Redaktionsgeheimnis."

WOLFGANG KRALICEK


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