15 Minuten vor zwölf

ROMAN HORAK und WOLFGANG MADERTHANER | Vorwort | aus FALTER 33/01 vom 15.08.2001

FUSSBALL. Mit dem blamablen 0:4 im Heimspiel gegen den GAK wurde die seit Jahren schwelende Rapid-Krise manifest: Der Traditionsverein verleugnet seine Geschichte.  

Im Mai 1996 ereignete sich im König-Baudouin-Stadion zu Brüssel Bemerkenswertes. Der SK Rapid hatte soeben das europäische Cupsiegerfinale 0:1 gegen Paris St. Germain verloren, etwa 20.000 mitgereiste Fans aber feierten ihren Klub mittels stürmischer Akklamation und stakkatohaften "Rapid!"-Rufen. Während der französische TV-Kommentator von der sportlichen Fairness der Rapid-Fans nachgerade mitgerissen wurde und die Rufe als "Pa-ris!" dekodierte, hatten diese anderes im Sinn. Sie zollten trotz der finalen Niederlage einer herausragenden Saison Tribut, zelebrierten und zitierten die Idee Rapid und inszenierten zugleich sich selbst als konstitutiven Teil dieser Idee.

  Im August 2001 ereignet sich erneut Bemerkenswertes, diesmal im Hanappi-Stadion zu Hütteldorf. Nach einer Demütigung sondergleichen vor eigenem Publikum

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