STREIFENWEISE

Kultur | M. McKECHNEAY , M. LOEBENSTEIN | aus FALTER 33/01 vom 15.08.2001

A guy, a girl and a gun: Der Mann heißt Jerry Welbach (sprich "Well-Buck"), wird gespielt von Brad Pitt und ist eigentlich noch ein Bub. Das Mädchen, Samantha, ist Jerrys streitbare Verlobte (Julia Roberts als sympathische Proletentussi). Die Pistole schließlich gibt der Gangsterkomödie ihren Titel: "The Mexican". Sie ist wertvoll, antik - und funktioniert nie, wenns drauf ankommt. "The Mexican" (Regie: Gore Verbinski) ist der "McGuffin" des Films - also das Objekt, dem alles ohne triftigen Grund nachjagt - und zugleich Metapher für den Schauplatz: Mexiko ist für die amerikanischen Protagonisten (und Zuschauer) das Andere, das Geheimnisvolle, aber auch das Gefährliche. Hier durchläuft Jerry ein Mannbarkeitsritual, das ihn lehrt, die dunkelhäutigen Brüder rechtzeitig als Betrüger, Autoknacker und Mörder zu entlarven und als erster zu schießen. 123 Minuten lang schluckt die blonde Hamsterbacke viel Staub und noch mehr Tequila, um sich endlich für ein Happy End mit Roberts zu qualifizieren.

  Mann-Frau, die Zweite: Martin ist geschieden und mag sich selber nicht besonders. Was nicht verwunderlich ist. Er redet zu viel, ist selbstbezogen - und ausschließlich von Leuten wie ihm selbst umgeben. "L'Ennui" (zu deutsch: "Meine Heldin") von Cédric Kahn, eine lose Adaption von Alberto Moravias Roman "La Noia", berichtet vom Verhältnis, das Martin mit der jungen Cécilia (Sophie Guillemin) beginnt - eine rein sexuelle Beziehung, die den Protagonisten noch tiefer in seine Krise stürzt. Guillemin ist überzeugend als phlegmatische, pausbäckige Muse, an deren Indifferenz sich erst die besitzergreifende Ader ihrer Liebhaber entzündet. Allein, der Film vermag aus seiner Exposition nicht viel mehr zu machen als artifizielles, bürgerliches Befindlichkeitstheater: Darüber täuschen auch seine Ambitionen in Richtung grotesker Satire nicht hinweg.


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