Stadtrand: Welcome to Vienna

Stadtleben | aus FALTER 33/01 vom 15.08.2001

Scheißende Hunde sind nicht scheiße. Ihre Besitzer sind es schon. Zumindest manche. Wenn man zum Beispiel wen vom Westbahnhof abholen muss und auf den verspäteten Zug aus Budapest wartet. Dann kommt eine junge Frau mit einem noch jüngeren Schäferhund an der Leine. Der scheißt dann direkt vor die Glastür zu Gleis 7. Frau und Hund verschwinden gleich wieder. Dafür waten die ersten Reisenden durch die dampfende Kacke: Hundescheiße an Trekkingboots, Turnschuhen, Lederslippern und - supereklig - an Gummibadelatschen. Wenn dann in Minute zwei nach Hundeschiss ein eleganter älterer Herr fast zu Tode stürzt, geht man doch zum ÖBB-Menschen am Bahnsteig, auf dem "Information" steht. Dem ist die Angelegenheit sichtlich peinlich, und er ruft sogar sofort irgendwo an. In den nächsten 15 Minuten passiert dann bis auf ein paar Durchsagen ("Reinigungspersonal, bitte soundso anrufen") nichts. Außer dass immer mehr Reisende den Weg durch den Kot nehmen. Unabsichtlich. Denn wer denkt in geschlossenen Räumen schon an so was? Reinigungspersonal? Fehlanzeige. Dann kommt der Zug aus Budapest. Hunderte strömen durch die Glastüre. Mitten durch die Scheiße. Und bringen per Sohle das Zeug dorthin, wo es hingehört: auf die Straßen der Stadt. Welcome to Vienna. C. W.


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