VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 34/01 vom 22.08.2001

... was die U-Bahn mit der Wohnungsspekulation zu tun hat, Teil II.

Wiens Straßen- und öffentliches Verkehrsnetz ist stark auf dieses eine Zentrum ausgerichtet; und wo man von allen Seiten leicht hinkommt, dort ist es lukrativ, Geschäfte zu betreiben; dort werden aber die Wohnungen unbezahlbar teuer, weil der Wohnungssuchende konkurrieren muss mit Geschäftsleuten, Büros und Verwaltungen, die sich von diesem günstigen Standort ebenfalls Umsatzsteigerungen erwarten. Verstärkt wird dieser Trend noch dazu, wenn nun ein neues leistungsfähiges Massenverkehrsmittel wie die U-Bahn, sternförmig von den Außenbezirken kommend, auf die Innenstadt ausgerichtet wird. Brutale Mieteraustreibungen, wie jene am Judenplatz durch den Bau- und Abbruchspezialisten Kallinger, folgen geradezu zwingend aus einer derartigen Verkehrspolitik. Ein Bezirksvorsteher, der sich für die Erhaltung der Wohnungen in diesen Häusern einsetzt, aber gleichzeitig sich nicht entschieden gegen eine neue, durch die Innenstadt führende U-Bahnlinie (U3) wehrt, beweist, dass er von diesen Zusammenhängen so gut wie nichts verstanden hat.

  Das heißt nun nicht, dass jede Verbesserung des öffentlichen Verkehrs unterbleiben sollte, sondern dass eine gleichmäßige Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in der gesamten Stadt nötig wäre, anstatt einer enormen Erhöhung der Verkehrsgunst entlang einiger weniger Linien bei gleichzeitigem Aushungern des oberirdischen öffentlichen Verkehrsnetzes, für dessen Verbesserung sowohl das Geld als auch der politische Wille fehlt. Beschleunigungsmaßnahmen für den oberirdischen öffentlichen Verkehr gehen meist auf Kosten des Autoverkehrs und bringen langwierige Auseinandersetzungen mit Gruppen, die dem Autoverkehr besonders verbunden sind.


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