Tod im System

Politik | aus FALTER 34/01 vom 22.08.2001

AFRIKANER. Ein Nigerianer sprang während einer Vernehmung aus dem Fenster des Jugendgerichtshofs und starb. Ein Einzelfall? Oder ist das System schuld? NINA Horaczek

Ich bin nicht imstande, weiter den Büttel für diese brutale und - was noch schlimmer ist - kurzsichtige Fremdenpolitik zu machen, ohne wenigstens dagegen protestiert zu haben", schrieb der Jugendrichter Harald Lancom vergangene Woche im Standard. Harte Worte für einen Justizvertreter. Doch Harald Lancom regt sich nicht ohne Grund auf: Als er am Freitag vor zwei Wochen den Afrikaner Johnson O., der wegen Verdachts auf Drogenhandel verhaftet worden war, im Wiener Jugendgerichtshof verhörte, sprang dieser aus dem Fenster des zweiten Stockes und starb. "Johnson O. hat immer nur wiederholt, dass er nicht mehr ins Gefängnis geht", erinnert sich der Richter. "Ich habe die U-Haft über ihn verhängt und am Ende gesagt, dass sein Haftort nicht hier, sondern das Landesgericht in der Josefstadt ist." Plötzlich sprang der junge


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