AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 34/01 vom 22.08.2001

Zur Hölle! Überall und genau in diesem Moment "werden Patente vergeben / für Vergeudung, Vergiftung, für die Ausrottung ganzer Völker" - "treibt / ein Vater dem Sohn einen Stock in den Hintern". Die Welt ist nun einmal so unappetitlich wie ein Gemälde von Hieronymus Bosch. Oder wie ein Kaddish von Paulus Böhmer, einem zornigen Beat-Veteranen aus Frankfurt am Main, der seit den Sechzigerjahren mit Versepen brandstiftet. "Wäre ich unsterblich" nennt sich eine Zusammenstellung seiner Gedichte 1996 bis 1999 - wäre der wortgewaltige Dichter tatsächlich unsterblich, dann hätte unsere Globalisierer und Modernisierer vermutlich bis in alle Ewigkeit lyrische Frontalangriffe zu gewärtigen.

  Wieder und wieder "lassen SA-Männer einem Judenjungen die Hosen herunter", klagen die Verse in "Lama, Lama Sabachthani", Paulus Böhmers Langgedicht, das er der Werkschau eben nachgereicht hat. Wenn man sich das Bild eines orthodoxen Juden vor Augen führt, der an der Klagemauer Jerusalems eine


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