Stadtrand: Stadt der Sterne

Stadtleben | aus FALTER 34/01 vom 22.08.2001

Zuerst wurde gezetert und geschrien, dass Wien nicht Chicago werden darf, jetzt wird gemeckert, dass unsere Stadt unter Umständen Tschernobyl werden könnte. Was alle dabei übersehen: Wien wird, wenn nicht bald jemand "Stop!" sagt, keineswegs zur nuklear verseuchten Geisterstadt, sondern verwandelt sich still und heimlich in Richtung Hollywood. Es ist zwar nicht so, dass einem bei einem Spaziergang durch die Stadt an allen Ecken und Enden frische und abgehalfterte Stars über den Weg laufen, aber zumindest Sterne findet man hier bald genauso viele wie in der Filmstadt. Auf der Mariahilfer Straße haben die Sterne mit Fuß- und Handabdrücken erfolgreicher Spitzensportler zumindest den praktischen Nutzen, dass der nervende Nachwuchs beim Einkaufsbummel damit abgelenkt wird, dass er seine Schuhgröße mit der von Hermann Maier vergleichen kann. Aber warum auch noch das Pflaster am Graben aufgerissen werden musste, damit Stars wie Beethoven oder Mozart ihren eigenen Stern kriegen, ist nicht einleuchtend und macht die Straße auch nicht schöner. Typisch österreichisch ist an dem Ganzen nur eines: Alle Klassik-Stars auf dem Graben sind seit langem international anerkannt und noch viel länger schon tot und somit für österreichische Verhältnisse äußerst würdigungsverdächtig. N. H.


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