VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

... was die U-Bahn mit der Wohnungsspekulation zu tun hat, Teil III: Stadterneuerung.

Wenn Stadtrat Hatzl bei fast jeder Diskussion zum Thema Stadterneuerung meint, es gehe nicht, jedes alte Haus zu erhalten, dann ist dagegen nichts einzuwenden: Die Überalterung der Bausubstanz in Wien nimmt von Jahr zu Jahr zu, womit Fragen einer grundlegenden Erneuerung von Jahr zu Jahr dringlicher werden. Selbstverständlich müssen im Zuge dieser Erneuerung auch Häuser abgebrochen und durch Neubauten oder Grünflächen ersetzt werden. Die Tatsache, dass ein Haus niedrig ist und hohe Gewinne bei Abbruch und anschließender Neubebauung erwarten lässt, ist aber kein ausreichendes Kriterium. Von einem Stadtrat für Wohnungsfragen sollte man daher mehr erwarten können als eine allgemeine Verteidigung der bisherigen Abbruchpraxis: Es müssten Kriterien für die Erhaltungswürdigkeit von Altbauten erarbeitet werden, die genauer auf den Wiener Hausbestand eingehen, als es bei den derzeitigen Gesetzen der Fall ist. Die Tatsache allein, dass in einem Haus mehr als fünfzig Prozent Substandardwohnungen (mit WC am Gang) sind, sollte noch keinen Abbruch rechtfertigen (derzeit ist das nach dem Stadterneuerungsgesetz aber der Fall), denn dann müssten etwa ein Drittel aller Wiener Wohnungen, das sind immerhin 200.000 Wohnungen, zu Abbruchobjekten erklärt werden; bei Neubauleistungen von etwa 6000 Wohnungen im Jahr sicherlich ein großer Unsinn.

Wichtigstes Abbruchkriterium sollte der technische Bauzustand sein, der in einem neu anzulegenden Häuserkataster schon deshalb für jedes einzelne Haus erhoben werden sollte, um sich in Zukunft Fehlinvestitionen größten Ausmaßes bei der Stadterneuerung zu ersparen.


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