Standpunkt

Politik | E.W. | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

Halbe-halbe

Österreich ist letztklassig: Laut einer Studie der Europäischen Kommission ist in allen anderen EU-Staaten der Unterschied zwischen dem, was Männer, und dem, was Frauen verdienen, kleiner als bei uns. Frauen bekommen für die gleiche Arbeit um ein Drittel weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. So stand es vergangene Woche in jeder Zeitung. Stimmt leider. Ist aber nicht die ganze Wahrheit. Die ist noch schlimmer: Aus der Sicht der Frauen verdienen Männer nicht nur um ein Drittel, sondern gleich um die Hälfte mehr. Halbe-halbe ist also Realität. Leider nicht so, wie es in der viel geschmähten Kampagne von Exfrauenministerin Helga Konrad gemeint war: dass den Frauen die Hälfte des Geldes und den Männern die Hälfte der Hausarbeit zusteht. Wer ist schuld an dem Schlamassel? Wahrscheinlich die Frauen selber. Die Politiker jedenfalls nicht. Die Grüne Madeleine Petrovic beschuldigte die Regierung, Frauenminister Herbert Haupt verwies auf die SPÖ, da sich die Zahlen der Kommission auf 1998 beziehen. Von den Sozialdemokraten äußerte sich nur die Bundesrätin Melitta Trunk. Und was ist mit der Gewerkschaft? Die rechtfertigt ihre Existenz doch normalerweise damit, dass sie für Lohngerechtigkeit sorgen würde. Warum gilt diese nicht für Frauen? Keine Antwort? Na gut, der ÖGB hat jetzt eben andere Sorgen.


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