Cognac und Porzellan

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

Film In seinem grandiosen "Les destinées sentimentales" folgt Olivier Assayas drei Stunden lang dem Scheitern großbürgerlicher Lebensentwürfe. 

Eines schönen Nachmittags kommt Jean Barnerey früher als sonst nach Hause. Er nimmt, ein gutes Buch in Händen, Platz im Garten, aber sein Blick schweift ins Grüne zu seiner Frau. Pauline steht auf einer Leiter, hoch droben in den Wipfeln eines Baums, und pflückt Kirschen. Es dauert eine ganze Weile, bis sie Jeans gewahr wird; dann huscht ein freudig überraschtes Lächeln über ihr Gesicht. Wie oft muss Pauline sich danach gesehnt haben, dass Jean einmal früher als sonst nach Hause kommt, um den Nachmittag mit ihr zu verbringen.

Mit dieser Szene im Garten steht und fällt der Film. "Les destinées sentimentales" von Olivier Assayas, gedreht nach der gleichnamigen Romantrilogie von Jacques Chardonne, spielt in großbürgerlichen Verhältnissen. Erzählt wird die Geschichte von Jean Barnerey, dem Spross einer Unternehmerfamilie aus Limoges,

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