Streifenweise

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

Die Romantic Comedy, die Aki Kaurismäkis eher mäßig begabter älterer Bruder Mika bereits vor drei Jahren abdrehte, startet hierzulande mit wohlweislicher Verspätung mitten im Sommer. Hätte man den Originaltitel "L.A. without a Map" eingedeutscht, so müsste er wohl lauten "L.A. ohne jeden Plan": Plot und Protagonisten verlieren sich in den klischeehaft weiten Landschaften Amerikas, in denen Häuser an Wolken kratzen und die Highways endlos sind. Das Leitmotiv heißt Kulturschock: Held und Erzähler Richard (David Tennant), ein blasser schottischer Bestattungsunternehmer, verliebt sich auf dem Friedhof in das blonde US-Starlet Barbara (Vanessa Shaw). Kurz entschlossen fliegt er ihr nach - und ist von nun an als "Mr. Cheap-English-Accent" ein Freak unter vielen in Hollywood. Zwischen geilen Mädchenfotografen, zugekifften Altstars und machistischen Actionregisseuren muss der schüchterne Arthaus-Fan seiner Barbara beweisen, dass eine Ehe mit ihm vielversprechender ist als Sex mit allen Produzenten. Nur logisch, dass er Schützenhilfe von den Helden des studentischen Kino-Undergrounds erhält: Die Leningrad-Cowboys höchstpersönlich drangsalieren Konkurrenten mit spitzen Tritten und Johnny Depp spendet Trost als sprechendes "Dead Man"-Poster.

Kaurismäkis Arthaus-beats-Mainstream-Parabel erweist sich freilich als kontraproduktiv: Denn angesichts des blutleeren Helden, dessen chronisch geweitete Augen eher auf ein gröberes medizinisches Problem als auf einen Kulturschock verweisen und dessen Off-Kommentare bloß das ohnehin Sichtbare verdoppeln, hofft man nur noch auf ein riesiges, für Unsummen digital animiertes Monster, auf dass es den Schotten samt finnischer Pomadefrisur und Seventies-Outfit verspeisen möge.


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