Nüchtern betrachtet

Kultur | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

Fläzende Frau mit Fruchtinselhass

Man soll nicht immer auf den Urlaub schimpfen, er hat auch Vorteile. Zum Beispiel kann man sich im zerschlissenen Sofa fläzen, den frühmorgendlichen Luftzug über den schlafmatten Körper streichen lassen und sich im Werbefenster Österreich von RTL einen Spot über ein neues Milchprodukt ansehen, das sogar dem Yeti schmeckt. Dahinter steckt knochenharte Überzeugungsarbeit, und Menschen mit äußerst unsteten Essgewohnheiten haben monatelang intensiv daran gearbeitet, dass die Überzeugungsarbeit gar nicht knochenhart, sondern eher zart und sämig, ja nachgerade fluffig rüberkommt. Im Falle der Frau, die an meiner Seite fläzt, nützt das freilich gar nichts. Da könnte ein Dutzend Yetis kommen, um von pfiffigen Bürschchen mit je einem Löffel neuen Milchprodukts milde gestimmt zu werden, sie würde trotzdem sturheil zu ihrer total subjektiven Meinung stehen: "Ich hasse Fruchtinseln!" Nun wusste ich, dass die Frau, die an meiner Seite fläzt, nicht

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