Stadtrand

Stadtleben | C.W. | aus FALTER 35/01 vom 29.08.2001

Wassersucher

"Wenn man ein Paar Schuhe kauft, dann zahlt man ein Paar", sagt Frau J. "Wenn man zwei Paar kauft, zahlt man auch zwei." Da Frau J. kein Schuhgeschäft, sondern ein Kaffeehaus besitzt, verlangt sie für ein großes Obi g'spritzt nicht den Preis von zwei kleinen, sondern großzügig nur den von eineinhalb. Dass das nicht überall so ist, merkt man vor allem in den Schicklokalen open air. So kostet in der Kunsthalle der halbe Liter Sodawasser mit Apfelsaft genauso viel wie zwei Viertel. Nämlich knapp 50 Schilling. Und wer im Pavillon sehr durstig ist und ein großes Soda-Zitron bestellt, muss dafür 46 Schilling bezahlen. Mehr als für das Krügerl Bier. Für etwas ausgepresste Zitrone mit Wasser! Aber scheinbar ist es sehr kostenintensiv, aus Leitungswasser Sodawasser zu machen. Und schließlich muss man ja auch doppelt schwer schleppen (aber nicht doppelt weit laufen). Da es aber beim Durstlöschen eigentlich nicht so sehr auf Kohlensäurebläschen ankommt, sondern mehr auf die Menge, sind viele mittlerweile dazu übergegangen, sich kein "großes Obi g'spritzt" (oder Soda-Zitron) zu bestellen, sondern "Apfelsaft (oder Zitrone) mit Leitungswasser auf ein Krügerl aufgespritzt". Das erfrischt mindestens genauso und ist günstiger. Zumindest solange Leitungswasser noch gratis ist.


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