STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 36/01 vom 05.09.2001

Das Mittelalter erfreut sich im zeitgenössischen Kino ja nicht gerade rasender Beliebtheit - sieht man vom Kassenerfolg eines Mel Gibson als "Braveheart" ab. Umso verwunderlicher, dass diese Woche gleich in zwei US-Filmen tapfere Ritter, fesche Prinzessinnen und zünftige Dienerschaft um die Gunst des Kinopublikums buhlen.

  "Ritter aus Leidenschaft" ("A Knight's Tale") erzählt die Geschichte eines Knappen (Frauenschwarm Heath Ledger), der zwecks Emanzipation die falsche Identität eines Ritters annimmt. Fortan reist er (unter dem Namen Ulrich von Lichtenstein!) durch Europa, um von Turnier zu Turnier gegnerische Edelleut in den Staub zu schicken. Regisseur Brian Helgeland inszeniert das Ganze als ironisches Historienpastiche, in der das Turnierpublikum zu Queens "We will Rock You" gröhlt und man die bösen Ritter klar an ihrer Nike-Rüstung erkennen kann. Das möchte gern clever sein, ist es aber nicht. Ein Zwitter zwar, aber nicht aus Leidenschaft, sondern aus reinem Kalkül: Stadionrock und Ritterspiele, fürs Multiplex wieder aufgewärmt.

  Apropos Aufwärmen: "Just Visiting" (Regie: Jean-Marie Gaubert) ist das Remake des französischen Komödienhits "Die Besucher" (1993), vom selben Regisseur, mit den gleichen Darstellern (Jean Reno, Christian Clavier), nur diesmal in den USA gedreht. Den Ritter Thibault und seinen trotteligen Knecht verschlägt es folglich nicht nur in die Zukunft des Jahres 2000, sondern noch dazu ins hektische Chicago. Anlass für deftige Späße, die zwar blöd sind, aber wenigstens gar nicht erst versuchen, besonders clever zu tun. Und damit ist die Ritterwelle hoffentlich schon vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat.


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