Eine Frau kocht ein Ei

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 36/01 vom 05.09.2001

FILM. Eine Art Kriegsfilm: "Rosetta" von Luc und Jean-Pierre Dardenne erzählt vom Überleben jenseits der Komfortgesellschaft. 

Wie oft müssen wir eigentlich noch sehen, wie sich jemand ein Paar Gummistiefel anzieht?", fragt sich ein genervter "Rosetta"-Zuschauer in der Internet-Movie-Database. Genauso gut könnte man fragen: Warum sollten wir ins Kino gehen, um zu sehen, wie jemand Fische fängt, sich die Haare wäscht oder ein Ei kocht? Denn all das tut Rosetta, Hauptfigur des gleichnamigen Films der Belgier Luc und Jean-Pierre Dardenne, mehrmals sogar, und die Kamera bleibt bei ihr. Vom Aufspießen des Wurms auf den rostigen Draht bis zum Auswerfen der zerbrochenen Glasflasche als Fischfalle, all das dauert, und der Schnitt will uns nichts ersparen, denn die Dauer ist, wie die Wiederholung, ein Teil der Härte in Rosettas Leben.

  Rosetta (Emilie Dequenne) ist etwa 17, hat ein streng-verschlossenes Gesicht und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter (Anne Yernaux) auf einem Campingplatz


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