SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 36/01 vom 05.09.2001

Zwei Männer reißen sich um eine Frau, und die kommt dabei ums Leben. So lässt sich das Stück "Mariana Pineda" von Federico García Lorca in einem Satz zusammenfassen. Silvia Armbrusters Inszenierung, mit der das Volkstheater die Spielzeit eröffnet hat, beginnt mit einer stummen, choreographischen Umsetzung dieses Satzes, weshalb es zunächst auch den Anschein hat, als wäre eine Tanztheatertruppe vom sommerlichen Tanzfestival im Volkstheater vergessen worden. Die mit Flamencogetrampel (es könnten auch marschierende Soldaten sein) unterlegte Szene ist der kraftvolle, präzise und dichte Prolog für ein merkwürdiges, selten gespieltes Stück. Obwohl das 1927 uraufgeführte Frühwerk von einem politischen Mord - die historische Mariana Pineda wurde 1831 wegen Beteiligung an einem Aufstand hingerichtet - handelt, ist es kein politisches Drama. Es geht der Frau, die wegen des Stickens einer Fahne zum Tode verurteilt wird, nicht um Revolution, sondern um Liebe; in morbid-blumigen Worten - man muss das natürlich mögen, aber es ist schon sehr schön geschrieben - erzählt Lorca die Geschichte einer Liebe als Krankheit zum Tode. Die drei Männer der Mariana - der geliebte Freiheitskämpfer Don Pedro (Nik Neureiter), der unglücklich verliebte Fernando (Florian Teichtmeister) und der verhasste Polizeichef Pedrosa (Georg Schuchter) - sind nicht wichtig, weshalb sie in der Inszenierung auch denkbar schlechte Karten haben. Dass Marianas alles verzehrende Liebe hier folgerichtig als abstraktes Hirngespinst erscheint, macht Sinn. Sinnlich ist es nicht: Christiane Ostermayer spielt die Mariana Pineda als unnahbare, von inneren Leidenschaften gequälte Frau, die lieber von der Liebe schwärmt, als Liebe zu machen. Mit der Aufgabe, allein einen ganzen Abend zu tragen, wirkt sie aber ebenso überfordert wie das Konzept einer Inszenierung, die der Intensität ihrer ersten Momente nicht gewachsen ist.


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