VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 37/01 vom 12.09.2001

... war eine Ausstellung zum Thema Wohnstraßen für Wien zu besichtigen.

Welcher Wiener hätte noch nicht über den Autoverkehr geschimpft? Den Autoverkehr, der in den letzten Jahrzehnten unsere Gassen und Plätze in öde Blechwüsten verwandelt hat, der tagaus, tagein durch die dicht bewohnten Stadtgebiete Wiens rollt und sich durch die engsten Gassen zwängt und dabei alle anderen buchstäblich an die (Haus-)Wand drückt - kein Zweifel: "Es muaß was gschehn!"

  Das Auto aus der Stadt einfach auszusperren, das geht nicht. Es gibt einfach zu viele, und sie sind (leider noch) zu wichtig für uns. Aber wir können einen Kompromiss schließen: Wenn schon kein Miteinander, so ist doch ein gefahrloses Nebeneinander möglich. Aus Holland kommt die Idee, die Straßen nicht einseitig nur nach den Bedürfnissen der Autofahrer, aus der "Windschutzscheibenperspektive" zu gestalten, sondern auch den vom Autoverkehr besonders nachteilig Betroffenen wieder zu ihrem Recht auf die Straße zu verhelfen. Alte Leute, Mütter, Gebrechliche, Kinder und Jugendliche, die heute oft unter die Räder kommen, sollen sich auf der Straße wieder gefahrlos bewegen können und Lebensraum zurückerhalten. Der Tratsch an der Ecke, das Ballspielen und Tempelhüpfen, das ruhige Dösen in der Sonne, ein Flirt in der Mittagspause, eine Schnapserpartie im Schanigarten, gefahrloses Radfahren, ein gemütlicher Stadtbummel - all das kann wieder möglich werden, wenn wir unsere Gassen und Plätze zu "Wohnstraßen" umbauen. Das heißt, dass Gehsteige und Fahrbahn zu einer Fläche umgestaltet werden, die dann "möbliert" wird mit Bäumen, Pflanzenkübeln, Bänken, Spielgeräten für Kinder, aber auch Parkplätze für Autos an bestimmten Stellen. Für Autofahrer bedeutet das, dass sie nicht mehr wie bisher mit 50 km/h durch Wohngebiete rasen dürfen, sondern vorsichtig auf die Menschen in ihrer Straße Acht geben müssen, die dort Vorrang haben.


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