Streit mit Tschechien

Vorwort | NIKLAS PERZI | aus FALTER 37/01 vom 12.09.2001

KOMMENTAR. Warum es beim Streit um Temelín um mehr als nur ein Atomkraftwerk geht. 

Havel bei Klestil auf Besuch in Wien, "Temelín-Großkampftag" in der Kronen Zeitung. Er habe den Eindruck, meinte der tschechische Präsident, als diene die Auseinandersetzung um das Kernkraftwerk "als Vorwand für zwei gleichartige Chauvinismen und Provinzialismen".

  Er hat Recht. Hinter dem Konflikt, der hier um defekte Kühlanlagen und undichte Leitungen zwischen Tschechien und Österreich geführt wird, verbirgt sich eine Menge an historischem Ballast. Die oft zitierte gemeinsame Geschichte, die immer dann herhalten muss, wenn die aktuellen Beziehungen am Tiefpunkt angelangt sind, war entgegen allen Klischees im vergangenen Jahrhundert vor allem eine der gegenseitigen Entfremdung. Haben die Österreicher den Tschechen die Abtrennung von der Monarchie übel genommen, so gab der erste tschechoslowakische Präsident Masaryk in Prag 1918 die Parole von der "Entösterreicherung" aus. Die neue Tschechoslowakei


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