AUFGEBLÄTTERT

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 37/01 vom 12.09.2001

Der Plüschsessel, der das Cover des aktuellen Jahrbuchs der Zeitschrift "Theater heute" ziert, stammt aus dem Burgtheater. Bei der darin abgedruckten Kritikerumfrage landete Klaus Bachlers Burg zwar um eine Stimme hinter Christoph Marthalers Züricher Schauspielhaus, was von der Redaktion aber als eine Art Remis gewertet und entsprechend gewürdigt wird: Burg-Chefdramaturg Wolfgang Wiens darf ausführlich über die Arbeit am reichsten Theater der Welt sprechen, und der zum "Dramatiker des Jahres" gewählte Moritz Rinke rezensiert in gewohnt charmanter Weise Peter Zadeks zur "Aufführung des Jahres" gewählte "Rosmersholm"-Inszenierung. Außerdem bietet das Jahrbuch unter anderem eine Gesprächsrunde mit jungen Regisseuren, einen Essay von Diedrich Diederichsen, der sich auf die Suche nach dem Theaterpublikum begibt, und einen viel versprechenden Vorabdruck aus einem Buch des großen Schauspielers Josef Bierbichler.

  "Er ist eine richtige Sau und genießt es, mit dieser Eigenschaft die Schauspieler zu traktieren", schreibt Bierbichler über Zadek, in dessen Wiener "Kirschgarten"-Inszenierung er mitgespielt hat. Einem anderen Regisseur (und Autor), dem niemand etwas Böses nachsagt, ist die aktuelle Ausgabe der Schweizer Zeitschrift "du" gewidmet: George Tabori. Das wäre zwar insofern nicht nötig gewesen, weil Tabori ohnedies zu den bestdokumentierten Theaterleuten der vergangenen 50 Jahre gehört, schadet aber auch nicht. Neben einer Chronik enthält das Heft Beiträge zu Taboris Wirken in Bremen, Wien und Berlin, eine Hommage von Elfriede Jelinek und den Tabori-Einakter "Hund und Herr". Personen: ein Schäfer, ein Pitbull und ein französischer Pudel.

Theater 2001. Das Jahrbuch der Zeitschrift "Theater heute". Berlin 2001 (Friedrich). 168 S., öS 280,-

"du", Heft Nr. 719 (9/2001): George Tabori. Macht kein Theater! 102 S., öS 150,-


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