Rache! Rache?

Terror | WALTER ÖTSCH | aus FALTER 38/01 vom 19.09.2001

DEMAGOGIE. Über uns und die anderen und die verhängnisvolle Täter-Opfer-Spirale. Und warum Rachegefühle zwar verständlich, aber auch überaus gefährlich sind. 

Grauenhafte Vorfälle, wie die in den USA, rufen ganz natürlich ein Gefühl von Rache hervor. Sich hilflos und voller Angst zu erleben weckt den Wunsch, es denen heimzuzahlen, die dies verursacht haben. Präsident George W. Bush hat, von den Terroranschlägen informiert, spontan als Rächer agiert. Gleich in seinen beiden ersten Kommentaren (eine Dreiviertelstunde nach dem ersten Flugzeugcrash und dreieinhalb Stunden später) schwörte er, die Verbrecher zu jagen (beide mal wörtlich: "hunt down").

  Bush hat damit einen Rahmen gesteckt, den die amerikanische Regierung seither nicht mehr verlassen hat. Innerhalb von Stunden wurde entschieden, einen Krieg zu führen, um die Welt "vom Übel zu befreien". Bereits am nächsten Tag stand fest: Es wird ein "langer Krieg" (Verteidigungsminister Donald Rumsfeld), mit "allen Ressourcen"


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