Kommentar: Ja, ich war bei Depeche Mode. Na und?

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 38/01 vom 19.09.2001

Ich fürchte, ich bin ein gefühlloses Monster. Am Dienstagabend vergangener Woche, wenige Stunden nach dem Einsturz des World Trade Centers, stand ich ein paar tausend Kilometer weit weg in der Wiener Stadthalle und ließ mir von Depeche Mode die Ohren zudröhnen. Zugegeben: Mehrmals lief mir die Gänsehaut über den Rücken. Und zwar nicht, weil ich an die Katastrophe dachte, sondern weil die Band gerade einen meiner Lieblingssongs spielte.

Ich kann mein Verhalten nicht einmal damit entschuldigen, dass ich nur meine "Informationspflicht" getan hätte. Nein, ich war freiwillig da. Einfach so, nur zum Spaß. Andere haben es sich nicht so leicht gemacht. Im Kurier schrieb Guido Tartarotti in einer Glosse auf Seite eins, dass das Konzert eigentlich hätte abgesagt werden müssen. "Ja, das Leben soll und muss weitergehen, und dazu gehört auch die Show. Aber erst nach einem Augenblick der Stille. Und der hätte ruhig einen ganzen Abend dauern können." Im Kulturteil rang sich der Kritiker dann


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