Strifenweise

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 38/01 vom 19.09.2001

Normale Zeiten? Natürlich entbehrte der Titel von Elisabeth Scharangs belangloser Kinodokumentation über die österreichischen Siebzigerjahre nicht einer gewissen Ironie; sich bei den Recherchen überwiegend auf Material aus dem Archiv des ORF zu verlassen, mag zwar bequem gewesen sein, erwies sich jedoch als wenig glückliche Idee. All denen jedenfalls, die sich für die Skurrilitäten interessieren, die hierzulande von einer welkenden Sozialdemokratie zum Erblühen gebracht wurden, sei das hübsche Programm Zeit im Bild empfohlen, mit dem Sixpack Film kommenden Dienstag im Depot seine Herbstsaison eröffnet.

  Herzstück dieses Kurzfilmprogramms über Widerstand und Normalität, kurz: die politische Lage in Österreich, sind "Ungustl Atom", "Burggarten" sowie "HOSI-Bude-Reumannplatz", drei Beiträge aus der anno 1980 von dem jungen Videokollektiv Medienwerkstatt gedrehten "Volksstöhnenden Knochenschau". Wie vertraut einem das alles ist! Etwa die Argumente, mit denen der Favoritner Bezirksvorsteher die Schließung einer Infobude der HOSI legitimiert; oder die Kaltschnäuzigkeit, mit der Wiens damaliger Bürgermeister (Leopold Gratz) sein den Besetzern des Burggartens gegebenes Wort bricht; oder der dumpfe SP-Grande, der den Atomkraftgegnern unterstellt, im Solde von Gaddafi zu stehen - ein waschechter Evergreen!

  Den Rest des Abends bestreiten aktuelle Videoarbeiten, darunter "Zero Crossing" von Johannes Holzhausen, "Der graue Star 2 - Die Wehrmacht" von den mascheks und der böse Einminüter "Heimatgeflüster" von Pia Schauenburg, in dem sich "ZiB1"-Sprecher Josef Broukal ein nicht ganz freiwilliges Stelldichein mit Andreas Rudas liefert.


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