Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 38/01 vom 19.09.2001

Impressionen von einer Pressekonferenz: Eine enorme Schar von Journalisten strebt ins oberste Stockwerk des Kunstbunkers Mumok, den so genannten Kuppelsaal. Das dort befindliche, einzige Fenster des Hauses wurde durch Oldenburgs großes "Mouse Museum" verstellt; die älteren Herren sitzen am Podium vor einem Love-Bild Robert Indianas, was offensichtlich programmatisch zu verstehen ist: Wir erleben einen Triumph der Liebe, endlich kommt zusammen, was zusammen gehört, nämlich die bisher auf 20er-Haus und Palais Liechtenstein aufgeteilte Sammlung. Mumok-Direktor Lorand Hegyi fragt, ob man in Tagen wie diesen überhaupt eine Museumseröffnung feiern darf, und führt zur Bejahung ins Rennen, dass es sich bei den Kunstwerken ja nicht um Luxus- oder Statusobjekte, sondern um "anthropologische Notwendigkeiten" handle. Als "Aufarbeitung der ehemaligen Peripherie" bezeichnet Hegyi seine Ankäufe von Kunst aus Osteuropa. Die "Stadt Sigmund Freuds" (Henry Meyric-Hughes) wird "für einige Tage zur Kunstmetropole" (Marc Scheps, Stiftung Ludwig). Für Abwechslung sorgt eine Journalistin, die mit piepsendem Handy ins Mouse-Museum flüchtet, worauf man sie doppelt so laut telefonieren hört. Die Künstler Gilbert & George erscheinen zwar am Podium, stellen aber wie immer schweigende "lebende Skulpturen" dar. Fragen sind nicht gefragt.

  Vom 20. bis 22.9. heißt es noch einmal - angesichts von Hegyis Abgang wahrscheinlich für lange Zeit zum letzten Mal - "Mitteleuropa": Das Symposium "split reality" eröffnet Katarzyna Kozyra mit der Performance "Dancing Lessons", neben vielen Vorträgen (u.a. Marina Grzinic) werden ab 19 Uhr Videos aus Polen, Rumänien und Russland gezeigt.


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